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Gute Menschen

: Daniel Gross   

Es gibt viel mehr gute Menschen auf der Welt als nötig. Sicher, wenn man in die U-Bahn steigt oder beim Arbeitsamt vorbeischaut, kann es einem vorkommen, als gäbe es sie gar nicht, doch das ist nicht wahr: hinter unfreundlichen und grimmigen Gesichtern verbergen sich auf Schritt und Tritt die gütigsten aller Menschen.
Die wichtigste Eigenschaft eines Guten Menschen besteht darin, dass er sich aufrichtig wünscht, jemand anderes glücklich zu machen, und, das Schrecklichste, ganz genau weiß, was dafür zu tun ist. Und das tut er auch! Gute Menschen sind überhaupt viel energischer als Misanthropen und Menschenhasser: sie finden immer ein paar Minuten um das Leben von irgendjemandem in Ordnung zu bringen. Wer bei drei nicht auf den Bäumen sitzt, wird glücklich gemacht.
Da schreit, zum Beispiel, der Lieblingsmiezekater herum: eine Katze braucht er. Schreien und Dreck machen tut er, Dreck machen und schreien. Rauslassen darf man ihn aber nicht: draußen lauern Scherpilzflechte, Grinde, Bandwürmer und andere Kater, alle Banditen - wenn überhaupt, kommt er einäugig zurück und verreckt sogleich. Deswegen soll man dem Katerchen die Eier abschneiden - zu seinem eigenen Nutzen, weil es für ihn so besser sein wird. Weil man ihn liebt, liebte man ihn nicht, würde er immer noch wie ein Vollidiot mit den Eiern herumlaufen.

Meistens werden die Verwandten von dieser Herzensgüte getroffen, doch manchmal kann es auch einen absolut unbekannten Menschen erwischen: man wird überwältigt und glücklich gemacht. Einmal gab es zum Beispiel einen Vorfall, als einer Familie aus irgendeiner weit entfernten Stadt, die überhaupt nichts verbrochen hatte, Hundert Millionen Rubeln von einer TV-Lotterie überreicht wurden. Also von denen hat es keiner überlebt - schon bei der zweiten Million traten bei ihnen Säuferwahn und qualvoller Tod ein.
Das Allerschlimmste passiert, wenn ein guter Mensch die Möglichkeit hat, seine Güte in großen Maßstäben zu zeigen. Nehmen wir zum Beispiel Hitler - er war doch einer der gütigsten Menschen überhaupt! Er hat doch nicht einmal Fleisch gegessen, weil ihm die armen kleinen Tierchen Leid taten. Als er morgens vor dem Spiegel sein Schnurrbärtchen stutzte, denken Sie etwa, dass er sich da ausmalte, wie viele Menschen er an dem Tag im Ofen verbrennen würde? Nein, er dachte daran, wie wunderschön und zauberhaft alles sein würde, wenn dieser ganze Alptraum erst einmal zu Ende sei, wenn all diese Schlitzaugen, Schwarzärsche und Hacknasen endlich verschwinden, und die glücklichen Menschen eine Kristallkuppel über Antarktis bauen und dann ins All fliegen würden, und alle würden Brüder und Schwestern sein - stattlich, schön und froh. Und so wäre es ja auch gekommen, doch dann kamen die bösen groben Soldaten und haben alles vermasselt. Und das Glück war so nahe.

Nichtsdestotrotz, auch heutzutage hören die guten Menschen nicht auf, sich an der Stirn zu kratzen, und grübeln, grübeln ununterbrochen, was man denn noch so machen könnte, damit es allen gut geht. Einen bösen Menschen, wenn er den Fernseher anschaltet, kann sogar ein Galleerguss heimsuchen - so viel Liebe, Herzensgüte und Mitleid ist dort zu sehen. Allen muss geholfen werden: der Oma muss man die Rente erhöhen, dem Milliardären - Lebensmittel ins Gefängnis schicken, den Kindern - eine Wehrdienstbefreiung, den Eltern - einen würdigen Lebensabend, dem Gefangenen des Gewissens - die Freiheit, dem Präsidenten - die dritte Amtszeit. Allen fehlt irgendwas, bei allen stimmt irgendwas im Leben nicht, und sei es eine Kleinigkeit.
Und all denjenigen kann man ja auch helfen! Den einen eine Lebensmittelration austeilen, die anderen erschießen, damit sie das Eintreten des Glücks nicht behindern, den Dritten die Eier abschneiden, damit sie sich wegen Kleinigkeiten nicht aufregen, den Vierten die Freiheit der Straßenumzüge in Lederunterhosen gewähren - glücklich sein werden alle. Hauptsache nicht tatenlos bleiben, nicht warten, bis sich alles irgendwie von allein regelt. Sonst werden wir ja nie erfahren, wie sie in Wirklichkeit aussieht - die Welt der endgültig gesiegten Liebe und Güte.

 

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: 27.07.2006